Habituskonzept
Das Habituskonzept (nach Bourdieu) beschreibt ein System inkorporierter Dispositionen, das Wahrnehmungen, Deutungen und Handlungen prägt. In der qualitativen Bildungsforschung wird es genutzt, um Bildungswege und soziale Ungleichheiten zu erklären. Dabei kommt es jedoch häufig zu methodischen und theoretischen Überlagerungen mit Konzepten wie „Orientierungsrahmen“ (Bohnsack), „habitueller Orientierung“ (Krüger/Deppe) oder Entwicklungsmodellen (Helsper), die zwar strukturelle Parallelen aufweisen, aber nicht vollständig mit Bourdieus Habitusbegriff kompatibel sind. (vgl. Corsten 2020, S. 276 ff.)
Beispiel: Ein Schüler aus einem bildungsnahen Elternhaus entwickelt früh eine „selbstverständliche“ Orientierung auf das Gymnasium (Habitus der Distinktion). Ein Schüler aus einem bildungsfernen Milieu erlebt denselben Übergang hingegen als Krise, weil sein bisheriger Orientierungsrahmen nicht zu den schulischen Anforderungen passt.
Corsten, M. (2020): Lebenslauf und Sozialisation. Wiesbaden: Springer VS




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